Sexuelle Probleme des Mannes (Potenzstörungen, Impotenz, Erektile Dysfunktion)
Das häufigste sexuelle Problem von Männern ist die Schwierigkeit, eine Erektion zu bekommen und/oder lange genug aufrechtzuerhalten, um Geschlechtsverkehr zu haben. Die Grenzen, ob das Erektionsproblem noch im Bereich des Normalen liegt oder bereits krankhaft ist, sind oft fließend. Männer können aber auch bei »normaler« Potenz unter Lustlosigkeit leiden.
Bis zu einem Drittel aller Männer sind zumindest zeitweise oder in milder Form davon betroffen.
Fehlversuche sind durchaus nicht immer Zeichen einer Krankheit oder Störung. Oft stecken Stress, Versagensängste oder Probleme in der Partnerschaft dahinter. Die früher übliche Beurteilung, ob die sexuellen Störungen rein psychischer oder körperlicher Natur sind, wird heute nicht mehr vorgenommen, da beides untrennbar miteinander verbunden ist.
Wenn ein offenes Gespräch mit dem Geschlechtspartner keine Besserung bringt, kann eine psychologische Betreuung sinnvoll sein. Medikamente sind eine gute Möglichkeit für Männer, die wegen einer Grunderkrankung Probleme haben, eine Erektion zu bekommen.
Kaum ein Bereich im Leben ist - nach wie vor - mit so vielen Tabus und Unsicherheiten belastet wie die menschliche Sexualität. Auch eine Generation nach der sexuellen Revolution, in Zeiten, in denen Bilder aller Arten von Sexualität zur Selbstverständlichkeit geworden sind, ist es noch immer nicht leicht, sexuelle Wünsche und Probleme offen anzusprechen - weder dem Partner oder der Partnerin noch Ärzten gegenüber. Die Menschen bewegen sich hier in einem breiten Spannungsfeld, das enormen Druck erzeugt: Auf der einen Seite zeichnen Medien, Werbung und Film ein Hochglanzbild von Sexualität, an das Normalsterbliche nur in den seltensten Fällen heranreichen: Frauen sind schön, verführerisch, mit allen Wassern gewaschen, um ihn verrückt zu machen, und erleben problemlos - und gleich mehrfache - Orgasmen; Männer sind durchtrainiert, allzeit bereit, wollen möglichst viel möglichst ungewöhnlichen Sex und sind dabei selbstbewusst und - egal, in welchem Alter - stets potent und leistungsfähig. Sexualität in den verschiedensten Spielarten ist heute erlaubt oder wird sogar eingefordert. Doch mit dem Wegfallen alter, handlungsleitender Muster früherer Generationen entsteht bei Vielen auch große Verunsicherung. Ein Beispiel ist die Rollenverteilung der Geschlechter: Frauen dürfen heute in ihrer Sexualität durchaus initiativ und selbstbewusst auftreten - was so manchen Mann überfordert. Auf der anderen Seite fühlen sich viele Frauen gar nicht so selbstbewusst, wie es von ihnen erwartet wird. Anerzogene Tabus und Schamgrenzen wirken hier oft stärker und länger nach als die neuen Konzepte einer »befreiten« Sexualität. Das andere Ende des Spektrums ist das seit Einführung von Viagra zum Dauerbrenner erhobene Thema »sexuelle Dysfunktion«: das Nicht-Funktionieren im Bett. Männer können einem solchen Nicht-Funktionieren nun mit einer schnellen Pille abhelfen, was von vielen als enorme Befreiung empfunden wird. Die kleine blaue Pille, zusammen mit der enormen Werbemaschinerie, die dahinter steht, hat aber auch mit sich gebracht, dass sexuelle Probleme von den betroffenen wie den behandelnden Personen oft nur noch als simples und mechanisches Ursache- Wirkungs-Problem behandelt werden. Was dabei zu kurz kommt, ist die Psyche: der große Einfluss, den das seelische Befinden und der zwischenmenschlich-partnerschaftliche Aspekt auf die Sexualität haben können.
Ursachen
Die Unfähigkeit, eine zum Geschlechtsverkehr ausreichend harte Erektion zu bekommen oder zu halten, wird von Ärzten als erektile Dysfunktion bezeichnet. Gebräuchlicher für Potenzstörungen ist das Wort Impotenz. Bis zu einem Drittel aller Männer sind zumindest zeitweise oder in milder Form davon betroffen. Mit steigendem Alter - und das gilt bereits ab den Dreißigern - nimmt die Häufigkeit zu. Es handelt sich hier um einen völlig normalen körperlichen Vorgang: Die Erwartungen, dass - und was - ein Mann immer können muss, sind hier oft unrealistisch hoch. Fehlversuche sind durchaus nicht immer Zeichen einer Krankheit oder Störung. Oft stecken Stress, Versagensängste oder Probleme in der Partnerschaft dahinter. Die früher übliche Beurteilung, ob die sexuellen Störungen rein psychischer oder körperlicher Natur sind, wird heute nicht mehr vorgenommen, da beides untrennbar miteinander verbunden ist. Während einer Erektion steigt der Blutstrom im Penis auf das Zehn- bis 15-fache, die Fließgeschwindigkeit des Bluts auf das Zwei- bis Dreifache. Nur so kann die Biohydraulik den Penis aufrichten, ihn länger, dicker und steifer machen. Im voll erigierten Zustand können dann im Penis die vierfach erhöhten Normalblutdruckwerte gemessen werden - der höchste Wert im gesamten gesunden menschlichen Körper. Damit es zu einer Erektion kommt, ist die volle Funktionstüchtigkeit mehrerer Organsysteme notwendig. Angefangen bei der Psyche, die sexuelle Lust entstehen lässt, über die Nervenbahnen, die den Impuls vom Gehirn zum Penis übertragen, bis hin zu den Blutgefäßen des Penis. An jeder Stelle dieses sensiblen Systems kann es zu Problemen kommen.
- Arteriosklerose ist der häufigste Grund für Potenzstörungen ab der Lebensmitte. Die Blutgefäße des Penis verengen sich und werden unflexibel, der für die Erektion nötige Blutfluss ist dadurch stark verringert.
- Diabetes mellitus kann zu Schädigungen an den Nerven führen, die für eine Erektion notwendig sind, und trägt außerdem zusätzlich zu arteriosklerotischen Gefäßverengungen bei.
- Medikamente haben häufig unerwünschte Wirkungen auf die Erektion, besonders Arzneimittel gegen Bluthochdruck, psychische Beschwerden oder Schmerzen.
- Rauchen verursacht Gefäßschäden und verschlimmert die Arteriosklerose.
- Alkohol kann psychische Verstimmungen - bei Alkoholismus bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen -, Nervenschäden und hormonelle Störungen verursachen (Alkoholkrankheit).
- Hormonstörungen können die Lust auf Sex verringern und Potenzstörungen verursachen. Im Alter kann bei manchen Männern der Testosteronspiegel
absinken (Männer).
- Stress und seelische Probleme nehmen die Lust, hemmen die Erektion oder verstärken eine körperlich bedingte Sexualstörung. Falsche Erwartungshaltungen über die eigene sexuelle Leistungsfähigkeit und der damit verbundene Leistungsdruck hinsichtlich des »richtigen« sexuellen »Funktionierens« können zu Versagensängsten führen, die erst recht die sensible Regulation der Erektion stören.
- Depressionen oder Angsterkrankungen nehmen die Lust am Sex und können auch bei der Erektion Probleme machen.
- Nervenschäden stören die Nervenleitung vom Gehirn über das Rückenmark zum Penis. Auch die sexuelle Stimulation kann dadurch beeinträchtigt werden. Zugrunde liegende Krankheiten können etwa die Alzheimer-Krankheit oder Multiple Sklerose sein.
- Fehlbildungen der Arterien oder Venen des Penis können eine Erektion verhindern.
- Chronische Erkrankungen der Nieren, Leber und Atemwege mindern die allgemeine Leistungsfähigkeit und damit die Potenz.
Beschwerden
Das häufigste sexuelle Problem von Männern ist die Schwierigkeit, eine Erektion zu bekommen und/oder lange genug aufrechtzuerhalten, um Geschlechtsverkehr zu haben. Die Grenzen, ob das Erektionsproblem noch im Bereich des Normalen liegt oder bereits krankhaft ist, sind oft fließend. Männer können aber auch bei "normaler" Potenz unter Lustlosigkeit leiden.
Vorbeugung
Erektionen werden durch Erektionen verbessert. Der erhöhte Blutfluss im Penis bei einer Erektion wirkt wie ein Jungbrunnen auf seine Gefäße und Zellen. Häufiger Sex und Selbstbefriedigung tragen nachweislich dazu bei, die Erektionsfähigkeit zu erhalten. Alles, was dazu getan werden kann, Nerven, Blutgefäße und die Psyche gesund zu erhalten, hilft auch, bis ins hohe Alter potent zu bleiben. Arteriosklerose, dem häufigsten Grund von Erektionsproblemen, wird am besten durch eine gesunde Lebensführung vorgebeugt. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse, regelmäßige körperliche Bewegung und das Halten des Normalgewichts. Wichtig ist auch, Alkohol nur in einem verträglichen Maß zu konsumieren und das Rauchen ganz bleiben zu lassen: Nichtraucher mit normalem Blutdruck haben beispielsweise ein 26 Mal geringeres Risiko für Erektionsstörungen als Raucher mit Bluthochdruck. Stressmanagement, Entspannungstechniken und körperliche Bewegung wirken psychischen Belastungen und Dauerstress entgegen, die die erotische Stimmung blockieren und das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belasten können. Günstig ist das Erlernen von Entspannungstechniken wie Tai-Chi oder Yoga, um die persönliche Mitte zu finden, mit den Belastungen des Alltags entspannter umzugehen und wieder einen freien Kopf für die schönen Dinge des Lebens zu bekommen.
Selbsthilfe
Offene Gespräche mit dem Partner oder der Partnerin können dazu beitragen, Beziehungsprobleme zu lösen, unnötige Ängste zu zerstreuen und bisher unerfüllte erotische Wünsche in die Tat umzusetzen. Vielen Paaren hilft es, sich bewusst wieder mehr Zeit füreinander zu nehmen, sowohl für das Gespräch als auch für den Sex. Offenheit zwischen den Sexualpartnern kann einen Teufelskreis aus übertriebenen Erwartungshaltungen, Versagensängsten und tatsächlichem Versagen durchbrechen. Kommt ein Paar alleine nicht weiter, kann psychologische Unterstützung sinnvoll sein: In einer Sexualtherapie werden ganz konkret Probleme beim Sex wie vorzeitiger Samenerguss ("Ejaculatio praecox") oder Versagensängste besprochen und Methoden entwickelt, wie das Paar damit umgehen kann. Häufig gelingt damit eine Entkrampfung der sexuellen Begegnung der Partner. Auch Paartherapien haben sich bei sexuellen Problemen, die ja nicht nur eine Person allein betreffen, gut bewährt. Genau wie sexuelle Phantasien eine Erektion auslösen können, sind negative Gedanken, etwa an belastende berufliche Probleme, wahre Lustkiller. Um abzuschalten, kann regelmäßige körperliche Bewegung nach einem langen Arbeitstag das Richtige sein. Auch Entspannungstechniken helfen, den Kopf frei zu bekommen. Oft hilft es, den Alkoholkonsum vor einem geplanten Geschlechtsverkehr einzuschränken: Kleine Mengen können das sexuelle Verlangen zwar steigern, die Erektionsfähigkeit nimmt aber mit steigender Trinkmenge ab. Rauchstopp: Der Verzicht auf das Rauchen steigert die Durchblutung des Penis und senkt auf lange Sicht das Risiko von Gefäßschäden. Für den Rauchstopp ist es nie zu spät. Bewegung. Fitness hilft dabei, die sexuelle Funktion und ein gesünderes Liebesleben zu erhalten. Vermehrte Bewegung führt langfristig zu Gewichtsabnahme und zu Stressabbau, zu einer Verminderung von Stress-Rauchen und Stress-Essen. Dadurch sinken Blutdruck und Cholesterinwerte, das allgemeine Wohlbefinden steigt. Stress vermindert die Lust auf Sex auch, weil es die Menge des männlichen Sexualhormons Testosteron vermindert - vor allem bei Übergewichtigen spielt dieser unselige Teufelskreis eine große Rolle, weil die Fettzellen zusätzlich Testosteron abbauen. Körperliche Bewegung hilft, den Testosteronspiegel wieder zu erhöhen. Mäßige täglich einstündige Belastung am Zimmerfahrrad kann bei 66- bis 76-jährigen Männern das Hormon um mehr als 20 Prozent ansteigen lassen. Mechanische Erektionshilfen/Penisring: Als mechanische Hilfe zur Verlängerung der Erektion kann ein Penisring (Cock-Ring) getragen werden. Er hindert das Blut daran, aus den Schwellkörpern abzufließen, und verlängert dadurch die Erektion. In Sex-Shops sind Penisringe in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Sie sollten aber nicht länger als eine halbe Stunde getragen werden, da sonst Gewebeschäden aufgrund mangelnder Durchblutung auftreten können. Mit Hilfe spezieller Vakuumpumpen kann vor dem Aufstecken des Penisrings die Erektion verbessert werden.
Behandlung
Bei Erektionsproblemen sollten sich Betroffene ohne Scham an ihren Arzt wenden. Zum einen kann er wirksame Hilfen anbieten, zum anderen kann die Potenzstörung ein Anzeichen für eine beginnende Herz-Kreislauf-Erkrankung sein, die ebenfalls einer Behandlung bedarf. Erkrankungen, die auf die Erektion negativ wirken können, müssen behandelt werden. Wenn Arzneimittel Ursachen der Potenzstörung sind, kann ein Wechsel zu einem anderen Mittel helfen.
Medikamentöse Behandlung
- PDE-5-Hemmer haben sich bei Erektionsproblemen als besonders hilfreich erwiesen. Die darin enthaltenen Wirkstoffe Sildenafil (Viagra), Tadalafil, Vardenafil hemmen Phospho-Di-Esterase Typ 5 und bremsen den Abbau eines Botenstoffs für die Erektion. Abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung kann bis zu 80 Prozent der Männer damit geholfen werden. Bei sexueller Stimulation und Erregung verbessert sich durch die Medikamente die Erektion – wenn die Lust auf Sex gänzlich fehlt, nützen die Mittel jedoch nicht. Als Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Nasenlaufen und Gesichtsrötungen möglich; schmerzhafte Dauererektionen (Priapismus) sind nicht zu
befürchten. Ungeeignet sind PDE-5-Hemmer für Männer, die aufgrund von Herzerkrankungen nitrathaltige Medikamente einnehmen müssen, da lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten können.
- Apomorphin-Präparate als Lutschtablette werden kurz vor dem geplanten Geschlechtsverkehr unter die Zunge gelegt. Auch sie verbessern die Erektion, gelten aber als weniger wirksam als die PDE-5-Hemmer. Als Nebenwirkung kann Übelkeit auftreten.
- Yohimbin ist ein pflanzliches Präparat, das vor allem bei psychisch bedingten Erektionsschwierigkeiten eingesetzt wird. Es verbessert die Erektionsfähigkeit und steigert auch die sexuelle Begierde. Allerdings kann es nicht erst kurz vor dem Sex eingenommen werden, sondern entfaltet seine volle Wirksamkeit erst nach etwa zehn Tagen regelmäßiger Einnahme.
- SKAT: Bei der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) wird mit einer sehr feinen Nadel das Medikament Alprostadil (Prostaglandin E1) direkt in den Schwellkörper des Penis eingespritzt.
Dadurch entsteht zuverlässig eine von sexueller Stimulation unabhängige Erektion. Die Erektionsdauer ist von der Dosis abhängig, bei Überdosierungen kann es zu schmerzhaften Dauererektionen und Schädigungen des Penis kommen.
- Harnröhrenstäbchen: Bei dieser als MUSE bekannten Therapieform wird das Medikament Alprostadil als flexibles Stäbchen in die Harnröhre eingeführt. So ist kein Einstich wie bei SKAT notwendig, allerdings ist die Wirksamkeit auch nicht so hoch.
- Testosteronersatztherapie: Hat der Arzt einen Testosteronmangel als Ursache der Potenzstörungen festgestellt, kann das männliche Sexualhormon zugeführt werden. Dazu steht Testosteron als Kapsel, Gel, Implantat oder Spritze zur Verfügung.
Chirurgische Maßnahmen Gefäßchirurgische Eingriffe kommen in Frage, wenn eindeutig eine einzelne Ursache am Blutgefäßsystem des Penis für die Potenzprobleme verantwortlich ist. Seit wirksame Medikamente zur Verfügung stehen, werden solche Operationen aber nur noch sehr selten durchgeführt. Schwellkörper-Implantate gelten als letzte Möglichkeit, Potenzstörungen zu behandeln, wenn alle anderen Methoden versagt haben. Dabei werden die beiden Hauptschwellkörper des Penis durch Implantate ersetzt. Der Eingriff ist nicht mehr rückgängig zu machen. Es stehen hydraulische Systeme zur Verfügung, die bei Bedarf aufgepumpt werden; ebenso kann ein biegsames Silikonimplantat gewählt werden, das dann allerdings als manchmal störende Dauererektion wirkt.
Letzte Aktualisierung:
04.03.2007 |
Autor:
Inge Smolek |
Experten für diese Seite:
Dr. med. Michael Lamche (Urologie, Andrologie) |
| Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden. |
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